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Even Death cries

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Das Buch „Die Verbrannten“ von Antonio Ortuño beschreibt die Hölle die Menschen für andere Menschen erschaffen. Sie verdienen damit Geld zu foltern, machen sich einen Spaß aus ihren Morden und vergewaltigen mit einem Achselzucken.

Selbst noch am Rande des in sich zusammenstürzenden Mexiko wird Alltag gelebt. Zu diesem Alltag gehören die Toten auf der Straße, die Massengräber, die Vermissten.

Die Flüchtlinge, die versuchen aus Südamerika durch Mexiko zu kommen, sind ein lohnendes Ziel für die Banden. Für die Öffentlichkeit sind die grausamen Morde an Ihnen oft nur Fußnoten, die neben den „echten Toten“, also ermordeten Mexikanern unwichtig erscheinen.

Nach jedem Massaker wird eine Pressemitteilung die Wogen glätten, jeder getötete Killer hinterlässt ein Dutzend neuer Köpfe die an seine Stelle rücken wollen.

Antonio Ortuño gelingt es in seinem Roman unterschiedlichste Protagonisten zu Wort kommen zu lassen. Sie erzählen die Geschichte vieler Tausender stellvertretend. Dennoch sind sie Figuren mit je eigenem Charakter, keine Klischees.

Es gelingt ihm Gewalt explizit zu beschreiben ohne sie zu verherrlichen.

Der Autor zeigt wie Rassismus und Korruption den Mördern den Weg bereiten und den Verfolgten die Hilfe verwehrt.

Ein wichtiges Buch, das ich mit fünf Pfoten empfehle.

 

 

 

 

Verjagt Europa die Demokratie?

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Im Kunstmannverlag ist im März 2015 das Buch Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise erschienen.

Bescheiden an dem Vorschlag ist den Autoren zufolge die Tatsache, dass keine Gesetze geändert und keine neuen Institutionen geschaffen werden müssen um den Vorschlag umzusetzen. Ansonsten ist der Vorschlag nicht so bescheiden, erwartet er doch ein Umdenken in allen wichtigen Punkten die Eurokrise betreffend.

Als vor ein paar Jahren Banken mit Steuergeldern gerettet wurden, ohne dass eine Reform dieser Banken erfolgt wäre, war diese Maßnahme nicht nur unpopulär sondern wurde auch von Experten vielfach kritisiert.

Zudem erhielten die Menschen in Not – die Zivilbevölkerung der die Solidarität der übrigen Bürger Europas galt – nicht das nötige Geld. Oft nichteinmal das Nötigste.

Ich hoffe sehr, die Regierungen Europas machen sich die Mühe ihre Konzepte zu überdenken. Nicht nur an die eigenen Länder zu denken, sondern an das Wohl Europas als einer geeinte Region der Welt – das ist die Herausforderung dieser Krise.

Zumindest ein Vorschlag von Yanis Varoufakis sollte meiner Meinung nach sofort umgesetzt werden: Das Notprogramm für Soziale Solidarität.

Kein Volk sollte aufgrund politischer Entscheidungen oder wirtschaftlichen Gerangels Hunger leiden und grundlegender medizinischer Versorgung entbehren! Das andere Europäer dies erleiden müssen und dabei auch noch mit Häme beobachtet werden ist ein humanitärer Skandal.

Auch die anderen Vorschläge klingen sehr vernünftig, wobei ich mir allerdings nicht anmaßen möchte die Institutionen Europas tief genug zu verstehen um ihre Erfolgschancen zu beurteilen.

Wird Griechenland aus dem Euro fliehen, bevor das Land entgegen dem Willen seiner Bürger zu sinnlosen Sparmaßnahmen gezwungen wird?  Oder wird es doch noch zu einer Einigung kommen die den Menschen hilft und die Demokratie nicht untergräbt?

Oder wird gar die jetztige Einigung bestätigt? Ein spannender Tag. Und ein Tag der für die Zukunft Europas entscheidend ist.

Das Buch empfehle ich mit vier Pfoten.

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Don’t remain silent

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In den letzten Jahren hat Polizeigewalt in den USA immer wieder weltweit Schlagzeilen gemacht. Im Zentrum standen dabei nicht bloße Übergriffe und Schikanen, sondern die Tötung von Menschen durch die Polizei. Offiziell wird darüber keine Statistik geführt, doch dem Guardian zufolge wurden in den USA dieses Jahr bereits 500 Menschen von der Polizei getötet. Der Familienvater Walter Scott war einer von Ihnen. Bei einer Polizeikontrolle flüchtete er – und wurde mehrfach in den Rücken geschossen.

Die junge Soziologin Alice Goffmann wollte mehr über die Menschen außerhalb ihres Umfelds erfahren. An ihrer Uni in Philadelphia und in ihrem Wohngebiet war sie hauptsächlich von weißen, mittel bis gut verdienenden Menschen umgeben.

Sie bekam Kontakt zu Familien, die in einer Nachbarschaft lebten, in der beinahe ausschließlich arme schwarze Amerikaner lebten. Sechs Jahre lang lebte sie in diesem Viertel in Philadelphia. Und sie lernte viele junge Männer und Frauen kennen, die ständig Ärger mit Polizei und Gerichten hatten. Obwohl es sich bei den jungen Leuten die sie kennenlernte keineswegs um Schwerverbrecher handelte, waren sie die meiste Zeit auf der Flucht vor der Polizei. Viele flohen vor der Polizei weil ein Haftbefehl wehen nicht bezahlter Gerichtskosten gegen sie vorlag. Oder aufgrund von Bewährungsauflagen die ihnen verboten Abends draußen zu sein oder ein Auto zu fahren.

On the Run – Auf der Flucht heißt auch das Buch von Alice Goffman, erschienen im Antje Kunstmann Verlag.

Alice Goffman beschreibt auf beeindruckende Weise den Alltag junger Leute, für die Konflikte mit Gericht und Polizei zum Alltag geworden sind. Ständig gab es in ihrem Viertel, genannt 6th Street, Polizeikontrollen. Auch Hausdurchsuchungen und Befragungen der Freunde und Angehörigen Gesuchter gehörten zum Alltag. Der Zusammenhalt der Gemeinschaft wurde so durch ständigen Druck von außen bedroht. Auf der anderen Seite entwickelte sich ein Markt für Dienstleistungen um trotz Polizeipräsenz oder Bewährungsauflagen ein möglichst normales Leben führen zu können.

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Das Klima, das durch zu starke Polizeipräsenz geschaffen wird ist der Kriminalität eher förderlich. Zum einen dadurch, das gewöhnliche Handlungen kriminalisiert werden. Zum anderen dadurch, dass auch durch geringfügige Vergehen Knastkarrieren genährt werden.

Außerdem wachsen junge Menschen in einer Parallelwelt auf. Sie können Gewöhnlichen Gesellschaftlichen Meilensteinen nicht teilhaben. Statt der bestandenen Abschlussprüfung kann nur ein eingestelltes Verfahren gefeiert werden. Alkohol zu trinken, abends auszugehen oder Auto zu fahren wird plötzlich illegal. Und in der Polizei wird ausschließlich eine Gefahr gesehen. Nur allzuoft erweist sich diese Auffassung als wahr. Körperliche Gewalt und Waffengebrauch seitens der Polizei führen immer wieder zum Tod kontrollierter oder verhafteter Menschen.

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Alice Goffman behauptet nicht, das diese jungen Leute nie etwas verbrochen hätten. Sie zeigt auf, wie segregiertes Wohnen, Mangel an Sozialarbeit, entzogene Rechte und ein Klima der ständigen Bedrohung Verbrechen fördern und auch gewöhnliches Verhalten illegal machen. Dieses Klima bedroht auch diejenigen, die nicht im Konflikt mit dem Gesetz stehen. Außerdem nährt es den Rassismus und damit eskalierende Gewalt wie die gegen Walter Scott. 30,5 Prozent der dieses Jahr bereits von der US getöteten Schwarzen waren unbewaffnet!

Ich empfehle das Buch mit fünf Pfoten!
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Pflanzen sind hellwach

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Pflanzen sind hellwach. Wenn sie nicht gerade schlafen. Denn das tun sie vermutlich. Eine veränderte Blattstellung ist nur einer der vielen Hinweise darauf.

Aber wie können sie denn schlafen? Ohne Augen zum schließen? Ohne Gehirne die Informationen verarbeiten?

Stefano Mancuso erklärt in Die Intelligenz der Pflanzen warum diese Gedanken, so plausibel sie scheinen, im Bezug auf Pflanzen absurd sind.

Pflanzen, die in der Regel an Ort und Stelle gebunden sind und nicht fliehen können wenn Fressfeinde anrücken brauchen ganz andere Organe und ganz andere Fähigkeiten als Tiere.

Vorne oder an der Seite liegende Augen bringen gar nichts, wenn die mit einem Habs abgebissen werden. Daher sind in den Pflanzen alle wichtigen Dinge Modular angelegt.

Das ist so nachvollziehbar, dass man sich ein bisschen über sich selbst wundert. Warum nur hat man das nicht schon lange in Betracht gezogen.

In seiner Beschreibung der wunderbaren Fähigkeiten der Pflanzen erfahren wir zudem von Stefano Mancuso von vielen besonders beeindruckenden Arten.

Wer hätte gewusst, das manche Pflanzen Fledermäuse anlocken um ihre Blüten zu bestäuben? Und andere neben Insekten auch Säugetiere verspeisen?

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Ein enorm lohnenswertes Buch, das ich jedem nur empfehlen kann! Es verändert den Blick auf Pflanzen und eröffnet dem Leser eine neue Welt: den grünen Planeten auf dem das pflanzliche Leben dominiert. Eine fünfpfotige, dringende Leseempfehlung!

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New York

newyorkEs gibt ganz viele wunderbare Bücher, die irgendwann nicht mehr lieferbar sind und in Vergessenheit geraten. Die Bücher von Miroslav Sasek sind nun dank dem Antje Kunstmann Verlag wieder da wo sie hingehören: In den Regalen der Buchhandlungen.

Miroslav Sasek entdeckt für den Leser eine Stadt. Er zeigt ihre Größe genauso wie die charmanten Details. Er zeigt ihre Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten. Auf knapp über fünfzig Seiten packt Sasek etwas, das viele Reiseführer nicht vermitteln können: Ein Gefühl für die Stadt. Und ein Gefühl für eine Reise auf der es etwas zu entdecken gibt.

Der Band New York zeigt in wunderbar leuchtenden Bildern unter anderem die Spielstraßen des Big Apple, ja die gibt es!, das Moma und die Feuerwehr. Im Anhang haben die sorgfältigen Herausgeber in einem kleinen Register alles aufgelistet, was sich in New York seit der Erstveröffentlichung des Bandes geändert hat.

Ein wunderschöner Bildband für Kinder und für Reisende. Ich empfehle ihn mit fünf Pfoten!

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Besondere Post

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Wer würde sich nicht darüber freuen mal wieder einen schönen Brief oder wenigstens eine Postkarte aus dem Briefkasten zu ziehen? Stattdessen teilen sich dort die knallbunten Flyer von verschiedenen Lieferservices den Platz mit einheitsgrauen Rechnungen und Mahnungen.

Doch es gibt einen Ausweg: öfter mal wieder Post verschicken. Und da über den neusten Urlaub schon alle über Instagram die Bilder erhalten und alle anderen Neuigkeiten über facebook, google+ oder Threema geteilt wurden kann man sich getrost einer neuen Briefform zuwenden: der Kunst.

Die Künstlerin Keri Smith hat dazu Postkarten gestaltet, die zum eigenen Gestalten und Interagieren, ja sogar manchmal zu kleinen Abenteuern des Alltags anregen. Mir hat diese Sammlung sehr gefallen. Die Vorlagen von Keri Smith sind immer nur Ausgangspunkt für eigene Ideen. Die Karten werden so gut, wie ihr sie macht!

Insbesondere die Karte zur ausgedachten Zukunft, zur Wunschpersönlichkeit, zum Treffen im echten Leben, zur Skulptur und zum Thema: Ich als Superheld, Du als Bösewicht. Die Deutsche Post könnte ich mir als Sponsor zur Karte vorstellen, die möglichst oft hin und her geschickt werden soll.

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Gutschein zum versüßen einer überfälligen Trennung

Da mir nicht alle Karten so gut gefallen gibt es vier Pfoten. Das ist immer noch eine klare Empfehlung mal wieder eine Postkarte zu verschicken! Legt los!

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Lieblingsbuch!

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Es gibt Bilderbücher, die sind lustig. Es gibt lehrreiche Bilderbücher. Es gibt Bilderbücher mit tollen Geschichten und solche mit tollen Bildern.

Und es gibt Lieblingsbücher. Der Bär der nicht da war von Oren Lavie mit Illustrationen von Wolf Erlbruch ist ein Lieblingsbuch. Ein Lieblingsbuch will oft gelesen werden, zum Beispiel jeden Tag. Seine Figuren wachsen ans Herz und über die Geschichte hinaus.

Die Lieblingsgeschichte berührt die Leserin. Sie lässt die Leserin auch mal kichern. Und Fragen stellen. Nach und weiterdenken.

Die Bilder von Wolf Erlbruch sind ein großer Genuß. Irgendwann muss aber doch umgeblättert werden um diese phantastische Geschichte von Oren Lavie weiterzulesen.

Ich empfehle Der Bär der nicht da war mit fünf Pfoten. Es ist ein Kinderbuch über das auch ein Erwachsener nicht alles weiß. Ein Buch, daß man entdecken kann. Und mit dem man lernen kann alles ein bisschen anders zu sehen.

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Arztroman

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Der Arztroman von Kristof Magnusson ist eine spannende, kurzweilige Lektüre. So ganz anders als die Serien und Heftchen auf die der Titel anspielt, erzählt er aus einem realistischen Arbeitsalltag einer Notärztin. Daher eine Kaufempfehlung von mir!

Anita Cornelius ist zusammen mit ihrem Kollegen Maik in Berlin mit dem Notarzt- Einsatzfahrzeug unterwegs. Ein Auto, das gegen einen Brückenpfeiler gefahren ist. Jemand bekommt keine Luft mehr. Der Sturz einer älteren Frau. Dies sind nur einige der Einsätze der beiden.

Das Privatleben von Frau Doktor fand ich allerdings trotz moderner Themen und einer Menge Sprachwitz nicht ganz so gelungen. Denn alles dreht sich um Männer. Der Sohn, der Exmann und dann gibt es da auch noch den Aufriss. Und den Kollegen und besten Freund. Diese Frau scheint keine einzige Freundin zu haben. Schade!

Dennoch erhält der Arztroman eine vierpfotige Empfehlung von mir. Die literarisch gelungene Beschreibung eines Ärztelebens würde ich nicht missen wollen.

4 w pfoten

 

Auslöschung

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Es beginnt in einer geheimnisvollen, abgeschotteten Region. Vier Wissenschaftlerinnen begeben sich in diese Area X um es zu untersuchen.

Was genau hier geschieht, wie lange und ob es sich weiter über die Welt ausbreiten wird, wissen sie nicht.

Von ihren Auftraggebern belogen und manipuliert begeben sie sich in eine unheimliche Wildnis. Hier wird alles menschliche verschlungen. Und doch scheint in manchen Tieren etwas menschliches gefangen zu sein. In den perfekt scheinenden Ökosystemen blitzt immer wieder Schmerz und Grausamkeit auf. Doch kommen sie von den Menschen die in Area X verschwanden oder von der geheimnisvollen Macht die alles innerhalb ihrer Grenzen aufhebt?

Auslöschung von Jeff Vandermeer beschreibt eine große Entgrenzung. Das wir innerhalb unseres Ökosystems Erde stehen, haben wir erkannt. Doch sehen wir uns vor allem als Individuen.

Die Auflösung dieser Individualität durch gesellschaftliche oder biologische Abläufe die wir nicht beeinflussen können, durch Manipulationen die wir nur manchmal durchschauen, durch unsere Ängste und Reaktionen, durch die Überschreitung der Grenze dessen, was wir ertragen können – all diese Prozesse, diese Bedrohungen des Ichs sind in Auslöschung thematisiert.

Jeff Vandermeer schreibt auf hohem literarischen Niveau über die drängenden Fragen unserer Zeit. Er tut dies so spannend, dass das Buch kaum aus der Hand gelegt werden kann. Es ist auch für Jugendliche empfehlenswert. Fünf Pfoten für Auslöschung, erschienen im Kunstmann Verlag.

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Achtung Elefant!

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Huch, was kommt denn da durchs Wasser mögen sich die Fische denken.

Doch überall wo Elefanten wohnen müssen sie sich dran gewöhnen.

Elefanten sind von Anfang an gute Schwimmer, sie haben von Haus aus einen Schnorchel, guten Auftrieb und kräftigen Antrieb. Sie müssen nicht erst schwimmen lernen.

Was aber, wenn ein Elefant nicht schwimmen könnte? Im humorvollen Kinderbuch „Bitte Blubb blubb rette mich“ stolpert ein kleiner blauer Elefant in einen See und geht unter. „Hätt er das schimmen nur trainiert, dann wär ihm sowas nicht passiert“.

Und gerade deshalb macht das Buch Kindern die gerade die ersten Schwimmübungen machen besonders viel Spaß.

Der Elefant probiert auf Anraten verschiedener Wassertiere eine Menge aus um wieder an die Oberfläche zu kommen. Der Tintenfisch sagt er solle die Rückstoßkraft nutzen, der Fisch zeigt ihm wie er seine Flossen benutzt und das Krokodil…das Krokodil hat eine besonders verrückte Idee.

Ich empfehle das Buch für alle Freunde humorvoller Bilderbücher mit vier Pfoten.

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