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Wolfgang Borchert – Draußen vor der Tür

Gott sagt zum Tod „Du hast es gut! Du bist der neue Gott. An dich glauben sie. Dich lieben sie. Dich fürchten sie. Du bist unumstößlich. Dich kann keiner leugnen! Keiner lästern. Ja, Du hast es gut. Du bist der neue Gott.“ (Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür, 93. Auflage Rowohlt 2011, S. 10)
Dem Tod geht es gut
Der Tod kann es nicht leugnen. Er ist fett geworden, die Toten sind so zahlreich…erst lagen sie auf dem Schlachtfeld jetzt liegen sie auf der Straße. Jene die den Krieg überlebt haben und doch an ihm gestorben sind.
Das Stück „Draussen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert handelt von einem jungen Heimkehrer aus dem zweiten Weltkrieg. Es beschreibt die Verheerungen, die der Krieg im Inneren des Menschen anrichtet und ist aus diesem Grund auch heute noch aktuell. 
Auch wenn die Soldaten heute finanziell und medizinisch weniger alleine sind, ob sie aus dem Krieg wirklich zurückkehren können, heil werden können steht heute ebenso in Frage wie damals. 
Der fünfundzwanzigjährige Beckmann kehrt mit einem steifen Bein nach Hause. Er war drei Jahre fort und seine Frau hat inzwischen einen anderen. Er will sterben, und doch macht er letzte verzweifelte Versuche weiterzugehen, weiterzuleben. Doch er wird ausgeschlossen, abgewiesen und ignoriert. Einzig ein Mädchen und die (innere?) Stimme eines Anderen wenden sich ihm zu. Aber alle drei sind zu sehr versehrt um sich und den anderen helfen zu können. Beckmann kann die Erlebnisse des Krieges nicht hinter sich lassen, er kann sie nicht kleinreden, sie nicht hinter den Alltag treten lassen. Die Toten liegeen auf seinem Gewissen und die Verantwortung kann er nicht abgeben, auch wenn er seine Befehle hatte. Nur der Tod lacht.
Im Schauspielhaus Bochum wird das Stück zur Zeit in einer hervorragenden Inszenierung gezeigt. Beckmann wird als gespaltene Person von zwei Schauspielern dargestellt. Gott ist ein Penner im Bademantel und der Tod eine fette Spinne, die geduldig wartet bis die beiden Beckmann zu ihr finden. Beckmann vergewaltigt sich selbst, er prügelt sich durch den Tag, er will nicht mehr, er kann nicht mehr, doch er versucht es. Beckmann geht von Tür zu Tür bis zur Tür des Todes, der einzigen die immer offensteht nachdem selbst Gott ein Obdachloser geworden ist. 
Sowohl das Buch als auch die Aufführung machen die düstere Realität des Krieges und seiner Folgen greifbar. Soetwas sollten auch angehende Soldaten sich einmal ansehen. Eine fünf Pfoten Empfehlung für Buch und Aufführung.