Kategorie-Archiv: Jugendbuch

Der Weihnachtsmann empfiehlt

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Das Fest kommt näher und näher, die Lieferzeiten werden länger und länger, die Kaufhäuser voller und voller und die Zeit knapper und knapper. Aber es gibt Läden mit großer Auswahl, die noch dazu innerhalb eines Tages jegliche nicht vorrätige Geschenkidee bestellen…die Buchhandlungen!

Und für jeden der gerne liest ist ein Buch ein schönes Geschenk. Übrigens auch für die, die gerade lesen lernen. Und auch für alle,  die Vorlesern lauschen.

Welches Buch geeignet ist, ist nicht immer leicht zu entscheiden. Aber die gute Nachricht ist, dass es nicht nur das eine geeignete Buch gibt.

Für die Sinne und die Besinnlichkeit empfehle ich einen tollen Bildband aus dem Hatje Cantz Verlag: Presence. Christine Turnauer hat in beeindruckenden Schwarz/Weiß Aufnahmen berührende Porträts von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen fotographiert. Das Verbindende, das durch Vertrauen gewonnen wird und alle Unterschiedlichkeit aufhebt macht die Bilder zu einer philosophischen Erfahrung.

Für Jugendliche empfehle ich den Band 1 der Mangareihe No.6, erschienen bei Egmont Manga (EMA). Eine schön gezeichnete und erzählte Geschichte um einen Jungen der zur Elite seiner Gesellschaft gehört. Eines Nachts hilft er einem Fliehenden. Und aus seinem unbestimmten Gefühl, dass mit dieser Gesellschaft etwas nicht stimmt wird Gewissheit.

Für Erstleser empfehle ich die Reihe Büchersterne aus dem Oetinger Verlag. Zur einfachen Ausahl sind die Bände nach Schulalter gestaffelt. Die Texte sind aus der Kinderliteratur bekannter AutorInnen. Die Texte sind altersgerecht mit großer Schrift und einfachem Satzbau abgedruckt. Von Astrid Lindgren gibt es zum Beispiel Michels Unfug Nummer 325 zu lesen.

Die wortgewandte, atemberaubend gut gezeichnete Graphic Novel Fun Home von Alison Bechdel ist meine besondere Empfehlung. Eine Geschichte über die Dynamik von familiären Strukturen. Gesagtes und Ungesagtes, gelebtes und ungelebtes innerhalb dieser entscheidenden Gemeinschaft prägt tief. Wer über liebenswerte Marotten genauso lesen möchte wie über Schmerzen der Seele, über Gender wie über Liebe, über Moral und Tabu wie über sexuelle Identität, der wird aus diesem Buch eine Menge mitnehmen.

Auslöschung

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Es beginnt in einer geheimnisvollen, abgeschotteten Region. Vier Wissenschaftlerinnen begeben sich in diese Area X um es zu untersuchen.

Was genau hier geschieht, wie lange und ob es sich weiter über die Welt ausbreiten wird, wissen sie nicht.

Von ihren Auftraggebern belogen und manipuliert begeben sie sich in eine unheimliche Wildnis. Hier wird alles menschliche verschlungen. Und doch scheint in manchen Tieren etwas menschliches gefangen zu sein. In den perfekt scheinenden Ökosystemen blitzt immer wieder Schmerz und Grausamkeit auf. Doch kommen sie von den Menschen die in Area X verschwanden oder von der geheimnisvollen Macht die alles innerhalb ihrer Grenzen aufhebt?

Auslöschung von Jeff Vandermeer beschreibt eine große Entgrenzung. Das wir innerhalb unseres Ökosystems Erde stehen, haben wir erkannt. Doch sehen wir uns vor allem als Individuen.

Die Auflösung dieser Individualität durch gesellschaftliche oder biologische Abläufe die wir nicht beeinflussen können, durch Manipulationen die wir nur manchmal durchschauen, durch unsere Ängste und Reaktionen, durch die Überschreitung der Grenze dessen, was wir ertragen können – all diese Prozesse, diese Bedrohungen des Ichs sind in Auslöschung thematisiert.

Jeff Vandermeer schreibt auf hohem literarischen Niveau über die drängenden Fragen unserer Zeit. Er tut dies so spannend, dass das Buch kaum aus der Hand gelegt werden kann. Es ist auch für Jugendliche empfehlenswert. Fünf Pfoten für Auslöschung, erschienen im Kunstmann Verlag.

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Maris Tagebuch – von Schlaubergern umzingelt

mariMari ist ein tolles Mädchen. Sie hat was im Kopf, ist kreativ und ein echter Kumpel.

Ihr Leben ist ziemlich chaotisch. Ihr Vater schreibt schnulzige Bestseller, ihre Schwester ist eine berühme Violinistin. Und nun verreist auch noch ihre Mutter für 6 Monate um die Welt zu retten.

Zum Glück hat sie eine Freundin die überall den Durchblick hat: Spicka, die beste Abschreiberin der Schule! Und eine Freundin auf die man sich trotz ihrer düsteren Bewusstheit des globalen Elends verlassen kann…oder? Vielleicht ist Elsa auch zu den Superschlauen Mitschülern aus der E-Klasse übergelaufen.

Wie auch immer, Mari und ihre Freundinnen lavieren sich durch Berge von Hausaufgaben, Dumme Bemerkungen und: die Klassenfahrt des Grauens.

Bin ich blöd oder was?!“ ist ein ganz toller Comicroman in Tagebuchform. Mari ist eine Heldin von der man bisher noch nicht gelesen hat. Sie glänzt von innen und kümmert sich nicht um Äußerlichkeiten.

Olivia Viewegs Zeichnungen sind erstklassig: Ausdrucksstark, humorvoll und unkonventionell. Wie Mari.

Maris Tagebuch ist Gregs Tagebuch absolut ebenbürtig und für alle Jugendlichen zu empfehlen, die mal wieder so richtig über die Schule lachen wollen. Und ganz nebenbei Inspiration fürs Zeichnen sammeln wollen.

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Die Drei Fragezeichen auf dem Campus

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Justus Bob und Peter lösen ihren 175. Fall und die Fans des Detektiv-Trios werden mit einer Dreibändigen Ausgabe in Jubiläumslänge verwöhnt!

Die Drei Fragezeichen gehen endlich zur Uni. Allerdings nur zum „Schnuppern“ in den Sommerferien. Es gibt einiges zu entdecken und auch viel zu lachen: Justus wird mit einem Besserwisser konfrontiert, im Studenten-Wohnheim hängt der Haussegen schief und Peter landet aufgrund einer Verwechslung im Poesie-Kurs!

Hier entdeckt Peter ungeahnte Talente und der Leser lernt lachend einiges über moderne Dichtkunst. Allein wegen dieser Szenen lohnt es sich den Fall zu lesen.

Auch spannend wird es: Bobs Vater scheint ein dunkles Geheimnis zu haben, eine undurchsichtige Studentenverbindung stiftet Chaos und der Hausmeister der Uni hegt und pflegt seine geliebten Haustiere: Pfeilgiftfrösche.

Von der Auflösung im letzten Band war ich etwas enttäuscht. Sie war mir einfach etwas zu unrealistisch. Ansonsten aber habe ich die Bände gern gelesen und empfehle sie mit vier Pfoten.

4 pfoten

An Adventure – ein Abenteuer

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Bücher in einer neuen Sprache lesen zu können ist eine schöne und motivierende Erfahrung. Wenn die Kenntnisse aber noch ganz am Anfang stehen sind die Erzählmöglichkeiten begrenzt. Im Langenscheidt Verlag erscheint die Reihe „Krimis für Kids“, in der diese Problematik durch Zweisprachigkeit gelöst wird.

Die Rahmenhandlung wird auf deutsch erzählt, die Erlebnisse einiger deutscher und englischer Kinder enthalten aber zunehmend englische Dialoge. Ein Glossar am Fuß der Seite übersetzt Vokabeln die eventuell noch unbekannt sind.

Ein schönes Konzept mit ansprechenden Themen und Mädchen und Jungen als Helden.

Der Band „An exiting cruise – Eine abenteuerliche Kreuzfahrt“ wurde von Petra A. Bauer geschrieben und ist mit coolen schwarz-weiß Illustrationen von Anette Kannenberg ausgestattet.

Die Geschichte hebt humorvoll an, auch wenn einige Genderklischees bemüht werden. (Das Mädchen will sich sonnen und lesen, ihr Bruder Piraten treffen.)

Die geschwisterlichen Scherze und Hänseleien bringen jugendliche Leser schnell zum schmunzeln. Schön für das Lesetraining ist, dass der gut zu lesende Text immer wieder Wörter enthält, die für den Leser neu sein könnten.

Dennoch war das Buch für mich eine große Enttäuschung. Aus der Thematik einer Kreuzfahrt wird nichts innovatives gemacht, ebensowenig wie aus der Straftat.

SPOILER-ALARM Was mich jedoch am meisten gestört hat, ist die Auflösung des Krimis. Der von Anfang an als Verdächtiger gezeichnete Charles Lawson wird in einer (nicht überraschenden) Wendung der Geschichte entlastet. Er ist ein eifersüchtiger, streitsüchtiger und augenscheinlich seine Frau schlecht behandelnder Ehemann. Aber nicht der Täter.

Überführt werden schließlich zwei Homosexuelle. Von denen der Ältere den Jüngeren mit in die Sache hineingezogen hat und dann versucht alleine zu fliehen. Da Homosexualität in Büchern für Kinder und Jugendliche ohnehin selten genug thematisiert wird, empfinde ich diese klischeehafte Negativdarstellung Homosexueller als enttäuschend.

Kontrastiert wird sie zudem mit einer beginnenden Liebe der Heldin zu einem (natürlich) älteren Jungen und mit der Tatsache, dass der unmögliche Charles Lawson zwar gerügt, aber doch von seiner Frau als im Grunde netter Mensch entschuldigt wird.

Als Charles Lawson seiner Frau wutentbrannt eine Szene macht, mischt sich niemand ein, niemand tröstet anschließend Mrs. Lawson. Es denkt sich einfach jeder seinen Teil – soll das eine Verhaltensempfehlung sein?

Die Geschichte dieses Bandes wird also trotz dem zunächst humorvollen und schönen Schreibstils und einiger netter Figuren meinem Anspruch an ein Kinder/Jugendbuch nicht gerecht. Zu viele 0/8 15 Krimizutaten, Genderklischees und das enttäuschende Ende machen es mir unmöglich das Buch zu empfehlen. Das schöne Konzept der Reihe wird vielleicht in einem der anderen Bände besser umgesetzt.

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Das sprechende Wörterbuch

jeparlefrancaisJe parle française!

Wozu, so könnte man sich in Zeiten von Sprachapps und mobilem Internet fragen, sind eigentlich Wörterbücher noch gut?

Der Langenscheidt Verlag hat auf diese Frage viele gute Antworten parat. Eine davon ist das „Power Wörterbuch Französisch“ mit Ting Funktion.

Der Ting Stift bietet tolle Möglichkeiten Bücher hörbar zu machen. Er erkennt winzige Piktogramme die in die Buchseiten eingearbeitet sind und spielt dazu passende Audiodateien ab. Vom Bilderbuch bis zu Sprachkursen für Erwachsene gibt es viele tolle Bücher für den Stift, der etwa 30€ kostet.

Das „Power Wörterbuch Französisch“ von Langenscheidt verbindet die klassischen Qualitäten des Wörterbuchs mit den tollen Möglichkeiten hochwertiger Sprachdateien, die jeder gängigen Sprachapp überlegen sind, und jugendgerechten Illustrationen.

Bei diesem Wörterbuch wird keinem langweilig. Es lädt zum Entdecken und Nachsprechen ein. Es ist sehr reizvoll, dass man sich die französischen Worte in perfekter Aussprache anhören kann, sooft man will. Endlich kann man Unsicherheit über die Aussprache ausräumen, ohne dass erst ein Dialog angehört werden muss.

Die Übersichtlichen Wörterbuchseiten werden ergänzt durch Bildseiten die sehr geschmackvoll und einfallsreich gezeichnet sind. Hier können per Stift etwa Körperteile, Kleider oder die Dinge auf einem Schreibtisch im Zusammenhang gelernt werden. Außerdem gibt es immer wieder Informationskästchen zu Redewendungen, wichtigen Hintergründen und häufigen Fehlern, die man so vermeiden kann.

Ein solches Wörterbuch hätte ich mir als Schülerin gewünscht! Auch für Erwachsene die Französisch lernen ist das Buch zu empfehlen. Ich vergebe eine fünfpfotige Leseempfehlung für das sprechende Wörterbuch!

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Tatort Schrottplatz

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Die drei Fragezeichen stehen für spannende Fälle in der Geborgenheit der Seriengesetze, für Rätseln und Lachen, Entspannung und Bildung.

Was man in den vielen Fällen der Drei Fragezeichen alles gelernt hat, und sich ganz entspannt und mühelos merken konnte lässt sich kaum aufzählen. Von der römischen Zahl L (=50) über das künstliche Erzeugen von Angst bis hin zum Palimpsest und zur Wirkung halluzinogener Substanzen – In jeder Folge wird etwas Wissenswertes zum Bestandteil.

Die drei Jungdetektive wurden von dem amerikanischen (Drehbuch-)Autor Robert Arthur erdacht. 1964 wurde der erste Band veröffentlicht. Die Serie wurde in viele Sprachen übersetzt.  Seit 1993 wird die Serie von deutschen Autoren im Kosmos Verlag geschrieben und feiert so in diesem Jahr ihr 50 jähriges Jubiläum in Buchform.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene können sich für die drei Fragezeichen begeistern.  Die liebenswerten Charaktere, die phantasievollen Orte und die spannenden Rätsel lassen diese Begeisterung immer wieder aufleben.

Schade ist, dass Mädchen in der Serie kaum eine Rolle spielen und die Figuren oftmals in schwarz oder weiß gezeichnet sind. Aber immer wieder gibt es wirklich beeindruckende Folgen in denen ernste Probleme behandelt werden. Wie etwa im Fall Stimmen aus dem Nichts die Themen psychische Krankheit, Psychotherapie und Alter behandelt werden, das ist schon von herausragender Qualität. Ab und zu gibt es, wie im Fall Singende Schlange auch mal ein starkes Mädchen. Und im Fall Das Erbe des Meisterdiebs wird ausgerechnet für Justus eine Straftat zum akzeptablen Mittel. Man darf also gespannt sein, wie sich die Serie weiterentwickelt und mit welchen Grautönen, Ideen und weiblichen Figuren die Autoren die Serie weiterdenken werden.

Gerade weil viele der späteren Titel für Kinder zu ernst sein könnten und die drei Fragezeichen langsam aber sicher ins Studentenalter entwachsen hat der Verlag mit der Reihe „Die drei Fragezeichen Kids“ neue Abenteuer der jungen drei Fragezeichen entwickelt.

Ein wenig Kindheitserinnerung und Nostalgie ist natürlich dabei, aber für mich sind die Drei ??? ein Klassiker der Jugendbuchliteratur. Toll ist es auch, dass die Abenteuer nach und nach in hochwertigen Hörspielproduktionen umgesetzt werden.

Die tollen Cover-Illustrationen von Aiga Rasch haben mich schon als Kind begeistert. Und auch heute noch werden die Bände im Stil der Illustratorin gestaltet.

Eine fünfpfotige Empfehlung für diese Serie. Wer neugierig geworden ist findet hier meine Rezension zu zwei weiteren Abenteuern der Drei Detektive. Und zum Jubiläum ist sogar wiedereinmal ein dreibändiges Abenteuer erschienen…

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Der vierte Detektiv

die-drei-fragezeichen_img190_1701x1203Captain Bücherwurm, Lord Superhirn und Iron Dietrich

Die drei Fragezeichen lösen immer wieder spannende Fälle.

Der Band Dämon der Rache war für mich von der Geschichte des Falles her ein eher durchschnittlicher Band. Was Spannung, Humor und Erzähldynamik angeht hat er mir aber sehr gut gefallen.

Ein Monster bedroht die abgelegen wohnende Mrs. Pembroke und ihren Neffen Luke Und was ist nur mit ihr los? Sie ist plötzlich völlig abwesend und Luke erkennt sie kaum wieder.

Ausgerechnet Peter bringt die Drei Detektive auf die Spur dieses gruseligen Falles, der so gar nicht nach seinem Geschmack ist.

Doch Captain Bücherwurm, Lord Superhirn und Iron Dietrich werden den Fall gewiss lösen.

Eine dreipfotige Leseempfehlung  an alle Detektivfans für diesen Band!

Der Band  Hotel der Diebe bekommt von mir sogar fünf Pfoten. Denn in diesem Band wird der Leser auf überzeugende Weise zum vierten Detektiv. 

Immer wieder kann der Leser entscheiden was die drei Detektive als nächstes tun sollen und an entsprechender Stelle lesen, was dadurch aus den Ermittlungen wird.

Ein bisschen Sportsgeist gehört schon dazu, denn es gibt einige tote Enden. Aber an vielen Stellen sind wirklich detektivische Entscheidungen zu lesen.

Und die Varianten des Falles sind so humorvoll und einfallsreich geschrieben, dass ich nicht müde wurde sie alle einmal zu verfolgen. Also: ein wirklich gelungener Band!

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Das Mädchen mit dem Haifischherz

haifischherz_8899x4214Die Mädchen unter sich – ein unbetreuter Augenblick…

Anais Hendricks ist fünfzehn Jahre alt und wird gerade wiedereinmal in eine Jugendhilfeeinrichtung gebracht. Sie soll eine Polizistin ins Koma geprügelt haben. Sie selbst kann sich an diesen Tag nicht erinnern.

Nun wird Anais in ein Heim eingewiesen, das besonders streng ist.  Es ist ein Panopticon, in dem die Jugendlichen unter ständiger Beobachtung durch den Wachturm im Zentrum des Gebäudes stehen.

Anais hat ohnehin schon lange das Gefühl ein Experiment zu sein und ständig beobachtet zu werden. Sie hat ihr ganzes bisheriges Leben bei  Pflegeeltern oder in Heimen verbracht. Stets wurden Berichte über sie verfasst, sie wurde beobachtet, beurteilt, begutachtet und therapiert. Echte Zugehörigkeit und Geborgenheit hat sie dagegen nicht erfahren.

Das Panopticon scheint der alptraumhafte Höhepunkt in Ihrer Laufbahn durch Institutionen zu sein. Dennoch findet Anais hier Verbündete. Und sie hat auch etwas Glück: Die geschlossene Station ist noch nicht fertiggestellt.

Jenni Fagan zeigt in ihrem Roman „Das Mädchen mit dem Haifischherz“ auf, welche Misstände im Fürsorgesystem bestehen. Wie Jugendliche allein schon durch die Strukturen systematisch gedemütigt und entmutigt werden. Welche Schäden nur scheinbar wohlwollende Sozialarbeiter, Richter und Polizisten anrichten können und warum wirklich engagierte Sozialarbeiter diese kaum verhindern können.

a_rest_in_the_treeFür Sich sein kann sie nur draußen – Anais lässt sich baumeln.

Gleichzeitig verklärt Jenni Fagan nicht für einen Moment ihre jugendlichen Protagonisten. Sie haben Persönlichkeit, Wünsche und Ziele. Und sie sind nicht zimperlich.

Das Buch ist sehr gut geschrieben, spannend und humorvoll. Und es hat eine Lektion im Gepäck, die nicht an Jugendliche gerichtet ist, sondern an die Gesellschaft: Die Würde ihrer Schutzbefohlenen wird angetastet.

Fuck sei Dank, dieses Buch wurde geschrieben!  Es bekommt eine fünfpfotige Leseempfehlung! 5 pfoten copy

The Bone Season

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Eine junge Frau lebt in einem London, das zum Überwachungsstaat geworden ist. Scion-London ist einer der Staaten, die sich dem neuen System der Scion-Zitadelle verschrieben haben. Dieses System verspricht Staaten durch Überwachung Seher aus der Bevölkerung zu entfernen und so Verbrechen zu eliminieren.

Seher, das sind Menschen die auf gewisse Weise den Æther wahrnehmen können. Der Æther ist bevölkert von Geistern und Schutzengeln. Außerdem können Seher bewusst Ihre Traumlandschaft betreten, den Ort wo die  Erinnerungen der Menschen verwahrt werden.

In der Scion-Zitadelle werden Seher also als Staatsfeinde betrachtet, daher haben sie nur die Möglichkeit sich unauffällig zu verhalten und zwischen den Amaurotikern, der nicht sehenden Bevölkerung, unterzutauchen. Oder ihre Fähigkeiten zu nutzen und Kriminelle zu werden.

Paige Mahoney, ist eine Traumwandlerin. Sie kann nicht nur ihre eigene Traumlandschaft besuchen, sondern auch darüber hinausgehen. Sie kann dann die Traumlandschaften anderer wahrnehmen und sogar beeinflussen.

Sie arbeitet für Jaxon Hall den Chef eines Syndikates, das sich auf sogenannte Denkdelikte spezialisiert hat – Verbrechen mit seherischen Fähigkeiten.

Doch eines Tages wird Paige verhaftet  und findet sich in Oxford wieder, einer Strafkolonie für Seher. 

Sie erfährt von der Existenz der Rephaim, einer ausserirdischen Rasse, die auf grausame Weise vom System Scion profitiert.

The Bone Season – Die Träumerin“ von Samantha Shannon ist eine spannende Fantasy-Dystopie. Die Heldin ist sympatisch, die Geschichte ist spannend, sehr phantasievoll und anspruchsvoll.

Das einzige was mich an dem Buch wirklich gestört hat, ist die Dramaturgie zweier Liebesgeschichten um die Heldin.  Hier weiß der Leser schon lange vor der sonst klugen Hauptfigur bescheid. Zum Glück löst sich der Knoten schon im ersten Band und sieben Bände sind geplant.

Ich bin gespannt wie es weiter geht und empfehle das Buch allen die Fantasy mögen mit vier Sternen und drei Pfoten! Da die Autorin jung und begabt ist bin ich mir ziemlich sicher, dass mit dem nächsten Band eine vierte Pfote fällig wird.

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