Kategorie-Archiv: Lesung

Bittner – meine Lieblingsbuchhandlung in Köln

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Die Buchhandlung Bittner ist wohl jedem kulturell interessierten Kölner ein Begriff. Sie organisiert eine Vielzahl von Lesungen, ob an der Universität, am Theater oder in der Buchhandlung selbst. Wann immer ein spannender wissenschaftlicher oder literarischer Vortrag gehalten wird ist ein schöner Büchertisch von Bittner nicht weit.

Aber auch für alle lesefreudigen Köln-Besucher ist die Buchhandlung Bittner ein Highlight in der Stadt. Nur einen kleinen Stadtspaziergang vom Dom entfern, in der Albertusstraße 6.

Das Team ist kölnisch herzlich und findet schon durch vage Andeutungen mit detektivischem Spürsinn jedes gesuchte Buch im System. Hier sind echte Literaturkenner am Werk. Und einen Überblick über die Neuerscheinungen haben sie sowieso.

Meistens kann das Gesuchte dann aus einem der prall gefüllten Regale genommen werden. Und vielleicht kauft man dann nur dieses eine Buch, aber das ist schwer. Denn die Buchhandlung Bittner ist eine wahre Fundgrube!

Fremdsprachige Bücher, Literatur aus aller Welt, Neuerscheinungen, Klassiker, Poesie, Graphic Novel, Sachbücher, Fotobände, Kinderbücher: für alles gibt es eine gut sortierte Ecke.

Die Vielfalt auf den Regalbrettern spiegelt sich in der Vielfalt der Veranstaltungen bei Bittner. Immer wieder sind hier berühmte und besondere AutorInnen zu sehen! Eine besonders schöne Lesung war etwa die von Klaus Wagenbach zu seinem neuen Kafka Bildband.

Und auch online bietet die Buchhandlung Bittner einiges. Eine schöne Homepage, Bestellmöglichkeiten und ein Newsletter mit Buchempfehlungen (mit ausführlichen Rezensionen jedes Mitarbeiters und jeder Mitarbeiterin!).

Eine Fünfpfotige Besuchsempfehlung für diese tolle tolle tolle Buchhandlung.

5 pfoten copy

Weil es gesagt werden sollte

Bei zwei Autorinnen, die ich auf der Buchmesse am Freitag sah, spielen Erfahrungen von Entrechtung und Gewalt und die Notwendigkeit darüber zu sprechen eine wichtige Rolle.

Eine dieser Autorinnen ist Swetlana Alexijewitsch, die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels. Die weissrussische Autorin hat literarisch die Aussagen von Menschen in der ehemaligen Sowjetunion dokumentiert. In ihren Büchern entlarvt sie durch detaillierte Zeugnisse Platitüden und Phrasen über den Krieg und auch über die Katastrophe von Tschernobyl. Sie schreibt Geschichte jenseits des offiziell erwünschten. In ihrem Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ hielt sie die Kriegserinnerungen von Frauen fest und damit eine Geschichte, die sonst durch Tabuisierung und Verschweigen ausgelöscht worden wäre. Zusätzlich hat sie mit diesem Buch viel für das Festhalten einer weiblichen Geschichte getan. „Ich hoffe, dass es volle Gleichberechtigung geben wird“, sagt die Autorin.
In Russland dürfen ihre Bücher momentan erscheinen, in Weissrussland sind sie jedoch verboten. In ihrem neusten Buch „Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ beschreibt Swetlana Alexijewitsch die prekäre Situation vieler Menschen zwischen russischem Kapitalismus und neuen autoritären Staatslenkern. Im Pressegespräch auf der Frankfurter Buchmesse sagt die Autorin, dass die Situation in der Ehemaligen Sowjetunion heute eine andere wäre, wenn die Menschen weniger idealistisch wären. Es gibt viel Armut vor allem auf dem Land. Zusätzlich leben die Menschen in Angst vor willkürlichen Verhaftungen. Swetlana Alexijewitsch berichtet etwa von einem „Paar, das ausreisen muss, weil es aufgrund eines neuen Gesetzes Gefahr läuft, seiner Kinder beraubt zu werden“. Es scheint unter diesen Umständen von außerhalb paradox, dass viele Lukaschenko und Putin unterstützen, „wenn man drinnen ist, entsteht die Frage nicht, dann ist alles ganz klar“. „Man schaut auf die Ukraine und auf Russland und ist da und dort erschrocken“ und viele fühlen sich mit den bekannten Grausamkeiten der Diktatur sicherer als mit den fremden Grausamkeiten des Kapitalismus. „Die Diktatur ist ein Monster, ein Wesen, das man keinem erklären kann“, es sei denn, man ist ein Ohrenmensch wie Swetlana Alexijewitsch und sammelt die Stimmen von der Straße ein.

Die andere Autorin ist Carolin Emcke, ihr Buch „Weil es sagbar ist – Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit“ ist im Fischerverlag erschienen. Sie hinterfragt die Phrasen des Unsagbaren und betont, dass es wichtig ist, von Erlebnissen der Gewalt zu berichten – sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft. Wenn Betroffene nicht sprechen können, liegt es wahrscheinlich öfter daran, dass ihnen niemand die Zeit und den Raum für ihre Berichte geben will als an ihrer Sprachlosigkeit. Mit der Rede vom Unsagbaren werden Gewaltverbrechen und ihre Folgen einfach abgeschoben. Aber damit nicht vergessen wird und sich etwas ändern kann, muss davon erzählt werden.
Sogar im Bezug auf die Shoah habe ich viele Erfahrungen gemacht, die diese Thesen bestätigen. Schüler werden einerseits vor der Komplexität und den Abgründen der Ereignisse „verschont“ und andererseits mit Moralpredigten und Platitüden gequält.
Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre der Bücher!
Eine Leseempfehlung bekommen sie von mir schon jetzt!

Auf der Buchmesse in Frankfurt – wie ich den Grüffelo traf und tolle Bücher entdeckte

Die Buchmesse begann für mich mit einem Wake-up-Slam. Stefan Dörsing und Philipp Herold trugen Texte zu Orientierungslosigkeit, (A)normalität vor. Besonders unterhaltsam und treffend war die lyrische Analyse zum Zusammenhang zwischen Unordnung und Kreativität. 

Danach wartete ein kleines Frühstück mit Networking Beilage „Wir sind hier“ in der Agora. So früh am Mittwoch morgen war es allerdings sehr leer. Und da das warme Wetter sich auch so langsam verabschiedete besuchte ich das ARD Forum. Best of Druckfrisch mit Denis Scheck war wiedereinmal sehr unterhaltsam…
Ich konnte viele tolle Verlage besuchen und Neuerscheinungen entdecken und machte auch einen ersten Besuch im schönen Pavillion des Ehrengastes Brasilien. Eine wunderschöne, helle Atmosphäre und zwei erstklassige Leseorte wurden hier geschaffen. Zum einen eine Höroase, in der entspannt in der Hängematte brasilianischer Literatur gelauscht werden konnte, deren Übersetzung auf den Bildschirmbäumen mitzulesen war. Zum anderen eine wunderbare, einladende Installation aus schönen Lesematratzen: perfekt gestaltet für die typische Lesehaltung. Für mich der schönste Ruhe-Ort der Messe.
 Aufregend wurde es am Stand des Beltz und Gelberg Verlags, denn hier traf ich den Grüffelo!!!
Bei der Open Books Lesung von Terézia Mora „Das Ungeheuer“ im Frankfurter Kunstverein begeisterte mich allerdings vor allem das Konzept der kostenlosen Lesungen in schönen Räumen in Frankfurt. Der Roman selbst sprach mich nicht an.
Die Buchmesse ist in diesem Jahr rund und gelungen! Die vielen Lesungen und Gespräche auf der Messe und um sie herum, die spannenden Verlage und Neuerscheinungen sowie ein wunderschöner Pavillion des Gastlandes Brasilien.

 Noch bleiben zwei Tage um die Buchmesse zu besuchen, ich kann den Besuch sehr empfehlen!

Literatur in Düsseldorf – Eine ganz besondere Buchhandlung

Am Geburtsort Heinrich Heines in Düsseldorf befindet sich ein Juwel unter den Buchhandlungen. Das Heine Haus an der Bolkerstraße 53. In schöner Atmosphäre mit einer großartigen Auswahl zu Literatur aus aller Welt, besonderen Kinderbüchern, Philosophie und Kunst.
Und mit großen Veranstaltungsraum, in dem immer wieder spannende Lesungen stattfinden. Wer einen Blick in das Programm des Vormonats wirft wird sehen, dass er mindestens zwei Veranstaltungen verpasst hat…
Sogar ein dreitägiges Poesie Fest wird seit einigen Jahren veranstaltet – diesen September sprach unter anderem Peter Handke über die Lyrik und die Kunst des Übersetzens.
Statt sich durch Seiten zu klicken kann man hier in Büchern Blättern und Autoren hautnah erleben.

Gestern sah ich eine Lesung von Hannah Dübgen, die mit ihrem Debüt „Strom“ einen spannenden Roman über die Gegenwart geschrieben hat.

Also: besucht das Heine Haus in Düsseldorf, es lohnt sich immer!

Gemütlich zwischen Büchern…
Raum für Lesungen…
Eine fünfpfotige Empfehlung für alle Leser!