Kategorie-Archiv: Buchkunst

Mag ich dich?

pfützenmatschen

Das Bilderbuch Kommst du spielen, Frida? von Pija Lindenbaum begleitet die kleine Frida. Sie weiß was sie will. Und was sie nicht will: Mit Berit spielen. Berit wohnt in der Nachbarschaft und hat immer Dreck im Gesicht. Außerdem kommt sie ständig vorbei und ist nett zu Frida. Dabei möchte Frida nur in Ruhe spielen.

Wenn Kinder sich treffen ist nicht immer alles voll Sonnenschein und netter Worte. Pija Lindenbaum erzählt ihre Geschichte aus der Perspektive der gar nicht netten Frida. Ohne pädagogischen Zeigefinger oder Erklärungen findet sie Zugang zu einem wichtigen Kinderthema: Warum möchte der andere nicht mit mir spielen?

In diesem Buch gibt es kein gut und böse. Es blickt mitten in die Alltagsrealität und ist dabei spannend und lustig. Die wunderschönen leuchtenden Illustrationen und der humorvolle Text lassen beim Vorlesen keine Ermüdung aufkommen.

Ein Bilderbuch mit Potential zum Klassiker! Eine fünfpfotige Lese und Vorleseempfehlung!

5 pfoten copy

Lieblingsbuch!

vorzeigepinguin

Es gibt Bilderbücher, die sind lustig. Es gibt lehrreiche Bilderbücher. Es gibt Bilderbücher mit tollen Geschichten und solche mit tollen Bildern.

Und es gibt Lieblingsbücher. Der Bär der nicht da war von Oren Lavie mit Illustrationen von Wolf Erlbruch ist ein Lieblingsbuch. Ein Lieblingsbuch will oft gelesen werden, zum Beispiel jeden Tag. Seine Figuren wachsen ans Herz und über die Geschichte hinaus.

Die Lieblingsgeschichte berührt die Leserin. Sie lässt die Leserin auch mal kichern. Und Fragen stellen. Nach und weiterdenken.

Die Bilder von Wolf Erlbruch sind ein großer Genuß. Irgendwann muss aber doch umgeblättert werden um diese phantastische Geschichte von Oren Lavie weiterzulesen.

Ich empfehle Der Bär der nicht da war mit fünf Pfoten. Es ist ein Kinderbuch über das auch ein Erwachsener nicht alles weiß. Ein Buch, daß man entdecken kann. Und mit dem man lernen kann alles ein bisschen anders zu sehen.

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5 pfoten copy

Kranke Monster

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Was hat denn der Vampir nur? Zahnschmerzen? Was hat der Riese alles gegessen, dass ihm jetzt so schlecht ist? Wie hat die Hexe ihre Stimme verloren? Antworten auf diese und viele andere Fragen zu Krankheiten finden sich in dem wunderschönen Bilderbuch Die Monster sind krank, erschienen im Gerstenberg Verlag.

Hier wird Kindern zugleich die Angst vor Krankheiten und vor Monstern genommen. Das diese krank werden können macht sie einfach sympathisch. Und nicht nur das Krankheitsbild wird an den Monstern amüsant beschrieben, sondern auch die richtige Medizin.

Emmanuelle Houdart hat ihr Buch mit aufwändigen, ausdrucksstarken und phantasievollen Bildern illustriert. Die Texte zu den einzelnen Krankheiten sind zugleich humorvoll und vermitteln Wissen. Einige der Textstellen können kleinen Kindern aber nur vorgelesen werden, wenn zusätzliche Erklärungen geliefert werden. Etwa die Beschreibung des Zahnarztes.

Besonders gut gelungen sind der Riese mit Übelkeit, die Hexe ohne Stimme und der Riese mit Depressionen. Vermisst habe ich eine Seite zu Ohrenschmerzen.

Ein gelungenes Bilderbuch für Kranke und gesunde Kinder!

4 pfoten

Unterwasserwelt

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Auf dem Gelände eines Tierfriedhofes wurde ein Schwimmbad gebaut. Es ist wunderbar groß. Es hat riesige Becken, eine exotische Begrünung und Glaskuppeln als Firmament.

Die Anlage, der Bademeister, die Wasserballspieler, die Synchronschwimmerinnen, die kleineren Kinder mit ihren Schwimmflügel und Wassernudeln: von alldem hat jeder der Schwimmbäder kennt schon einmal etwas gesehen. Aber hier ist es großartiger.

Beim Tauchen im Schwimmbad die Tiefen zu erforschen, wie ein Wal oder ein Delphin, im Schwimmbad zu übernachten, dort Schätze zu finden oder Geheimnisse zu lüften – das sind Träume die in diesem Schwimmbad wahr werden.

Gefährlich wahr. Denn immer wieder verschwindet jemand im wuchernden Grün und in den abgrundtiefen Becken.

Die Graphic Novel „Eine nautische Fabel“ ist für mich die Entdeckung des Sommers. Atmosphärisch dicht, spannend und humorvoll geschrieben und gezeichnet von Marine Blandin.

Eine fünfpfotige Leseempfehlung!

5 pfoten copy

Wenn das Essen Spaß macht schmeckt alles besser!

spaghettibuch

Das wunderbare Bilderbuch „Ketchup für die Königin“ trifft mit seiner phantasievollen Geschichte ins Schwarze.  Wie sehr ständige Ermahnungen die Stimmung am Esstisch stören, wie gut es manchmal tut sich bei Tisch zu benehmen zu wissen und wie viel besser alles schmeckt wenn man mit Freude isst, all das erfährt man in diesem Buch.

Ein Mädchen wird plötzlich von der Königin von England zum Essen eingeladen! Als sie abgeholt wird hat sie nicht einmal Zeit sich umzuziehen. Wird sie sich schlecht benehmen und die Königin verärgern?

Die Autorin und Zeichnerin Rutu Modan schöpft aus ihren Erfahrungen als Tochter und als Mutter. So können sich in der leichten und doch  hintergründigen Geschichte Kinder und Erwachsene mit einem Lachen wiedererkennen. Die Bilder im Stil einer Graphic Novel stecken voll amüsanter Details und sind exzellent beobachtet. Ein Buch das immer wieder gern gelesen wird und eine fünfpfotige Leseempfehlung verdient.

5 pfoten copy

 

So fühlt es sich an…

fuerImmer

 

Beim Verlag Beltz und Gelberg ist ein sehr schönes und angemessenes Bilderbuch zum Thema Tod erschienen: „Für immer„.

Der Vater eines Jungen ist gestorben. Im ersten Bild sehen wir ihn noch, wie er im Krankenhaus mit dem Sohn einen Drachen baut.

Doch nun ist er gestorben, und alles ist anders. Der Junge trägt den Drachen überall mit sich herum.  Er ist traurig und weiß oft nicht was er will.

Er begegnet der Hilflosigkeit seiner Mitmenschen die schweigen, albern oder ihm den Kopf tätscheln.

Der Verlust des Vaters ist endgültig, weil er nie wieder leben wird. Doch andererseits ist der Vater immer bei ihm, weil er ein Teil von dem Jungen ist.

Dieses Bilderbuch mit dem herausragend gut aus der Kinderperspektive geschriebenen Text von Kai Lüftner und den kongenialen Illustrationen von Katja Gerhmann empfehle ich mit fünf Pfoten. Hier wird nichts schön-geredet sondern die Situation eines trauernden Kindes genau getroffen. Umso tröstlicher ist das Buch!

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Brüder – trotz aller Unterschiede

Im Gerstenberg Verlag ist ein schönes Bilderbuch erschienen. Der Autor und Illustrator Alexis Deacon erzählt mit wenigen Worten und sprechenden Bildern.
Vogel und Krokodil“ ist ein vielschichtiges Bilderbuch, das Kindern und Erwachsenen immer wieder Spaß macht.
Zwei Eier liegen nebeneinander am Strand. Aus einem schlüpft ein Vogel, aus dem anderen ein Krokodil. Die beiden betrachten sich als Brüder und wachsen gemeinsam auf.
Eines Tages entdecken Sie wie unterschiedlich sie sind. Und wie wenig das ausmacht.
Alexis Deacon kreirt aus einer Verbindung von genauer Beobachtung und Phantasie überzeugende  Bilder und eine Geschichte die ebenso lustig wie herzerwärmend ist.   Eine fünfpfotige Leseempfehlung für dieses besondere Bilderbuch!

Mach dieses Buch fertig!

Wer kennt sie nicht, die vielen Bücher die suggerieren, jeder könne malen, kreativ sein und gleichzeitig Strich-für-Strich Anleitungen anbieten auf deren Grundlage etwa ein kitschiges Kaninchen entsteht.
Von einem ganz anderen Kaliber ist das wunderbare, im Kunstmann Verlag erschienene „Mach dieses Buch fertig„.

machdiesesbuchfertig

Die Künstlerin Keri Smith hat hier eine moderne Kunstauffassung in Buchform gebracht – und zwar nicht zur theoretischen sondern zur praktischen Anwendung.
Dieses Buch gibt auch Anleitungen, aber es sind enthemmende Anleitungen mit viel Raum zur Interpretation. Es sind Anleitungen als Katalysator der Kreativität, sie lassen Raum und sie lassen den Bearbeiter des Buches Raum gewinnen.
Denn durch den allzu vorsichtigen Umgang mit Büchern oder Zeichnungen verpasst man einiges.
Zu reißen, zu schneiden, mit dem Kamm oder den Fingern zu malen: dies alles führt zu einem erweiterten kreativen Repertoire und wunderbaren Bildern.
Noch dazu ist dieses Buch geeignet jeden Buch-Perfektionisten zumindest über die Zurichtung dieses einen Buches froh sein zu lassen.
Dieses Buch bekommt eine fertig-mach-Empfehlung mit fünf Pfoten und wird hiermit als Klassiker des Kreativen ausgezeichnet. Danke Keri Smith, danke Kunstmann!

Warum wir nicht mehr zusammen sind

MinandEd

Min schreibt an Ed einen Brief. Einen Brief, der es ebenso in sich hat, wie die Kiste die er bekommt.
Es ist eine Kiste voll mit kleinen Schätzen ihres Zusammenseins.

Vor dem Leser entfaltet sich eine Liebesgeschichte, zart, phantasievoll und mit viel Witz. Hier passiert etwas besonderes, und doch sind es die Glücksmomente, Widersprüche und Enttäuschungen die man aus eigenen Erfahrungen kennt.

Der englische Text hat eine phantasievolle, knappe und schnoddrige Sprache. In der deutschen Übersetzung wird das nicht ganz transportiert werden können, das lesen lohnt sich dennoch!

Das Buch wurde meisterhaft geschrieben von Daniel Handler, der Inhalt der Box kongenial illustriert von Maira Kalman. In ihren Bildern scheinen die Gegenstände zu atmen. Das macht insgesamt: Ein Buchkunstwerk das eine viereinhalbpfotige Leseempfehlung mit fünf Sternen verdient!

Vom Kommunismus zur Kommune ist es ein weiter Weg…

Kathrin Aehnlich beschreibt in ihrem Roman „Wenn die Wale an Land gehen“ zwei Phasen des Aufbruchs im Leben einer phantasievollen Frau.
Roswitha, manchmal auch Rose genannt, fliegt nach New York, auf der Suche nach ihrer Jugendliebe „Mick“. Da sie  nur eine mehrere Jahre alte Adresse zum Anhaltspunkt hat, ist ungewiss ob sie Mick finden kann. Was sie findet und entdeckt ist das Land, von dem Mick immer geträumt hat, damals in der DDR: Amerika, das Land in dem alle Bücher und Platten erhältlich sind, das Land des Rock and Roll. Sie trifft auf eine kleine Gemeinschaft, Freunde von Mick, die sich am Rande, in den Freiräumen der Gesellschaft eingerichtet hat.
Gestrandeter Wal – gestrandete Frau?
Sie denkt immer wieder zurück an die gemeinsame Jugend. An die Studienzeit in Leipzig, in der sie dem bedrückend spießigen Heimatort entkommt, die Zeit der Freiheit und Unbeschwertheit, die Freundschaft mit „Mick“, mit „Frau Pulver“ und mit „Zappa“.
Die fünf bauen sich eine Welt aus Kreativität, Genuss und Verbundenheit auf. Sie sitzen in Cafes, stöbern in Buchhandlungen, ergattern beliebte Platten, reden, feiern.
Paradoxerweise hatte Mick davon geträumt, dass sie alle in Amerika in einer Kommune leben sollten. In der spießigen DDR Realität müssen die Freunde in ihre Kinderzimmer zurück ziehen.
Sie treten ein in die Arbeitswelt, in die sie nicht hineinpassen, stoßen an allen Enden an die Ideologie, werden voneinander getrennt und machen Bekanntschaft mit der zersetzenden Macht von Spitzeln.

Es sind die letzten Jahre der DDR, doch ihnen erscheinen sie wie eine bleierne Ewigkeit aus der sie fliehen möchten.

Der Roman ist spannend und mit viel Witz und Leichtigkeit erzählt. Zugleich gelingt es der Autorin die Gewalt eines ideologischen Systems über das Leben Einzelner erschreckend deutlich zu machen.
Eine viereinhalbpfotige Leseempfehlung mit fünf Sternen für dieses Buch, das im Kunstmann Verlag in beglückend schöner Austattung erschienen ist.