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Welttag des Buches – Die Verlosung

Endlich ist er da, der Welttag des Buches 2014!

lesefreude

Ich verlose unter allen, die bis zum 30. April 23:59 diesen Beitrag kommentieren und dabei eine eigenständige Buchhandlung empfehlen. Bitte beschreibt das Besondere an dieser Buchhandlung und fügt, wenn vorhanden, auch den Link zur Website ein. Ich freue mich auf Eure Kommentare und Buchhandlungstipps!

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Zu gewinnen gibt es „Alex Capus – Léon und Louise„. Das Buch ist vom Autor signiert. Es erzählt die Geschichte einer großen Liebe, die zwischen Kriegswirren und gesellschaftlichen Konventionen Ihren Weg findet.

An der Verlosung teilnehmen dürfen alle ab 18 Jahren. Ich verschicke den Gewinn innerhalb Deutschlands. Ausgelost wird Anfang Mai. Die Gewinner werden per Nickname genannt und zusätzlich per Email informiert, sofern sie ihre Email-Adresse angegeben haben. Die Adressdaten werden nur für den Versand benutzt und nicht weitergegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Haftung für den Versand ist ausgeschlossen. Ich behalte mir das Recht vor das Gewinnspiel vorzeitig abzubrechen.

Weil es gesagt werden sollte

Bei zwei Autorinnen, die ich auf der Buchmesse am Freitag sah, spielen Erfahrungen von Entrechtung und Gewalt und die Notwendigkeit darüber zu sprechen eine wichtige Rolle.

Eine dieser Autorinnen ist Swetlana Alexijewitsch, die Friedenspreisträgerin des deutschen Buchhandels. Die weissrussische Autorin hat literarisch die Aussagen von Menschen in der ehemaligen Sowjetunion dokumentiert. In ihren Büchern entlarvt sie durch detaillierte Zeugnisse Platitüden und Phrasen über den Krieg und auch über die Katastrophe von Tschernobyl. Sie schreibt Geschichte jenseits des offiziell erwünschten. In ihrem Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ hielt sie die Kriegserinnerungen von Frauen fest und damit eine Geschichte, die sonst durch Tabuisierung und Verschweigen ausgelöscht worden wäre. Zusätzlich hat sie mit diesem Buch viel für das Festhalten einer weiblichen Geschichte getan. „Ich hoffe, dass es volle Gleichberechtigung geben wird“, sagt die Autorin.
In Russland dürfen ihre Bücher momentan erscheinen, in Weissrussland sind sie jedoch verboten. In ihrem neusten Buch „Secondhand-Zeit: Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ beschreibt Swetlana Alexijewitsch die prekäre Situation vieler Menschen zwischen russischem Kapitalismus und neuen autoritären Staatslenkern. Im Pressegespräch auf der Frankfurter Buchmesse sagt die Autorin, dass die Situation in der Ehemaligen Sowjetunion heute eine andere wäre, wenn die Menschen weniger idealistisch wären. Es gibt viel Armut vor allem auf dem Land. Zusätzlich leben die Menschen in Angst vor willkürlichen Verhaftungen. Swetlana Alexijewitsch berichtet etwa von einem „Paar, das ausreisen muss, weil es aufgrund eines neuen Gesetzes Gefahr läuft, seiner Kinder beraubt zu werden“. Es scheint unter diesen Umständen von außerhalb paradox, dass viele Lukaschenko und Putin unterstützen, „wenn man drinnen ist, entsteht die Frage nicht, dann ist alles ganz klar“. „Man schaut auf die Ukraine und auf Russland und ist da und dort erschrocken“ und viele fühlen sich mit den bekannten Grausamkeiten der Diktatur sicherer als mit den fremden Grausamkeiten des Kapitalismus. „Die Diktatur ist ein Monster, ein Wesen, das man keinem erklären kann“, es sei denn, man ist ein Ohrenmensch wie Swetlana Alexijewitsch und sammelt die Stimmen von der Straße ein.

Die andere Autorin ist Carolin Emcke, ihr Buch „Weil es sagbar ist – Über Zeugenschaft und Gerechtigkeit“ ist im Fischerverlag erschienen. Sie hinterfragt die Phrasen des Unsagbaren und betont, dass es wichtig ist, von Erlebnissen der Gewalt zu berichten – sowohl für die Betroffenen als auch für die Gesellschaft. Wenn Betroffene nicht sprechen können, liegt es wahrscheinlich öfter daran, dass ihnen niemand die Zeit und den Raum für ihre Berichte geben will als an ihrer Sprachlosigkeit. Mit der Rede vom Unsagbaren werden Gewaltverbrechen und ihre Folgen einfach abgeschoben. Aber damit nicht vergessen wird und sich etwas ändern kann, muss davon erzählt werden.
Sogar im Bezug auf die Shoah habe ich viele Erfahrungen gemacht, die diese Thesen bestätigen. Schüler werden einerseits vor der Komplexität und den Abgründen der Ereignisse „verschont“ und andererseits mit Moralpredigten und Platitüden gequält.
Ich freue mich schon sehr auf die Lektüre der Bücher!
Eine Leseempfehlung bekommen sie von mir schon jetzt!

Warum wir nicht mehr zusammen sind

MinandEd

Min schreibt an Ed einen Brief. Einen Brief, der es ebenso in sich hat, wie die Kiste die er bekommt.
Es ist eine Kiste voll mit kleinen Schätzen ihres Zusammenseins.

Vor dem Leser entfaltet sich eine Liebesgeschichte, zart, phantasievoll und mit viel Witz. Hier passiert etwas besonderes, und doch sind es die Glücksmomente, Widersprüche und Enttäuschungen die man aus eigenen Erfahrungen kennt.

Der englische Text hat eine phantasievolle, knappe und schnoddrige Sprache. In der deutschen Übersetzung wird das nicht ganz transportiert werden können, das lesen lohnt sich dennoch!

Das Buch wurde meisterhaft geschrieben von Daniel Handler, der Inhalt der Box kongenial illustriert von Maira Kalman. In ihren Bildern scheinen die Gegenstände zu atmen. Das macht insgesamt: Ein Buchkunstwerk das eine viereinhalbpfotige Leseempfehlung mit fünf Sternen verdient!

So ein Satz hält einen am Leben

Herta Müller erzählt in diesem Roman von Deportationen, von Zwangsarbeit, Hunger und Tod. Und sie erzählt von der Macht der Worte, Kraft zu geben und zu verwandeln. Sie schreibt Geschichte mit diesem wichtigen Roman, berichtet von Ereignissen die bisher verschwiegen wurden. Die Grundlage waren insbesondere Zeugenberichte des Dichters Oskar Pastior. In Herta Müllers Sprache wird der Schrecken sichtbar gemacht, dem Tabu entrissen und gleichzeitig gebannt. So überwiegt beim Lesen das Gefühl des Glücks, dass dieses wichtige Buch geschrieben wurde. Und dass man es lesen darf. 

Rumänien stand in den Jahren des Weltkrieges zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion. Als der Krieg zwischen beiden begann kämpfte das Land bis zum Sommer 1944 auf deutscher Seite. Als die Rote Armee einrückte, stürzten Oppositionelle den Diktator und lieferten ihn an die Sowjetunion aus. Fortan kämpfte Rumänien auf sowjetischer Seite.
Nach dem zweiten Weltkrieg foderte die Sowjetunion von der rumänischen Regierung alle Deutschen die im Land lebten zur Zwangsarbeit an. Alle Männer und Frauen zwischen 17 und 45 Jahren wurden in Arbeitslager deportiert. 
Da die faschistische Zeit Rumäniens ein Tabuthema war, wurde über diese Deportierungen nicht gesprochen.
Ein junger Mann wird in der Nacht abgeholt. Vor dem Wort „Lager“ hat er keine Angst, es bedeutet ihm nichts. Er ist froh aus der Enge seiner Familie herauszukommen. Aus der Enge der bigotten Gesellschaft herauszukommen, in der er das, was ihn ausmacht, in sich einschließen, in seinem Inneren mit sich selbst verhandeln muss.

Fünf Jahre lang erlebt er die Fürchterlichkeiten der Deportation, des Lagerlebens, der Zwangsarbeit und des Hungers. 
In seinem Kopf fasst er das Grauen in Worte und Gedanken, die sich mit seinem Tun und Sein verbinden und die ihm helfen beim überleben. Der Hunger ist der Hungerengel, vor dem er sich schützen muss. Die Schaufel zum Kohleschaufeln die Herzschaufel mit der ein kraftschonender Rhytmus gelingen kann. Im Kohlenkeller wird jede Schicht mit ihren Abläufen für ihn und seinen Kollegen zum Kunstwerk.
Die Erfarungen des Lagers, es sind Erfahrungen die niemand vergessen kann, die sich einprägen in die Persönlichkeit: „Immer mehr streckt sich das Lager vom Schläfenareal links zum Schläfenareal rechts.“ (S.294) Diese Erfahrungen nachzuvollziehen, ist unverzichtbar. Mit Herta Müllers Buch „Atemschaukel“ gelingt es. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Frühlingswind

Eine Beziehung ist oft hundertmal starrsinniger als der starsinnigste Charakter.  Der Andere, der einem zugehörig ist, scheint hundertfach bekannt, die Begegnung mit ihm wie ein Spiel, das immer wieder in die Gleiche Richtung schwingt, an den gleichen Grenzen scheitert, ins Leere läuft und erstarrt. Die Blicke und Gesten, die Ansichten des Anderen beleuchten gewisse Aspekte besonders grell, während andere daneben im Schatten verschwinden.
Auch wenn die Treue nicht gehalten wird, so bleibt sich das Bild des altbekannten Partners gleich.
Hiromi Kawakami beschreibt in ihrem wunderbaren Roman „Bis nächstes Jahr im Frühling“ eine Beziehung am Ende.
Doch dieses Ende, ein aufgeflogener Seitensprung, ist erst der Anfang.
Es ist der Anfang einer Selbsterkundung die sich von der vormals so festgefügten Rolle und ihrem Alltag löst. In dieser Erkundung, diesem frischen Blick, wandelt sich die ganze Welt.
Noyuri lässt sich Zeit mit ihrer Entscheidung,  Zeit sie selbst zu werden. Und niemand kann wissen, was dann geschieht.
Eine fünfpfotige Leseempfehlung für dieses spannende, klar geschriebene Buch!!!