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Vor dem Lebensende

besonderejahre

Die letzten Lebensjahre sind Besondere Jahre. In ihrer Graphic Novel zeichnet Joyce Farmer die letzten Lebensjahre ihrer Eltern auf.

Sie helfen sich gegenseitig und organisieren ihren Alltag um ihre Gebrechen. Nicht perfekt, aber glücklich. Doch der Gesundheitszustand von Rachel und Lars wird zusehend schlechter. Ihre Tochter Laura kümmert sich immer mehr um die beiden und bemüht sich Ihnen dennoch die Eigenständigkeit zu erhalten.

Weil sie zu Hause ihre Medikamente nicht eingenommen hat, erblindet Rachel. Irgendwann wird die schwierige Entscheidung getroffen sie ins Pflegeheim zu bringen. Doch dort führt ein Versäumnis zu einem fatalen Sturz aus dem Bett.

Bei Lars wird Lungenkrebs aufgrund gesundheitsschädlicher Arbeitsbedingungen festgestellt. Laura will ihn auf jeden Fall zu Hause  pflegen.

Diese Graphic Novel gibt einen Einblick ins Alter. In die Freuden ebenso wie auf die Fallstricke einer zunehmend beschränkten Existenz.

Es gibt nicht den richtigen, perfekten Umgang mit diesem Lebensabschnitt. Doch vor dem Lebensende kann noch viel Glück liegen. Neue Freundschaften, und alte. Das Beibehalten alter Ansichten und die Veränderung. Die Erinnerung an Erlebtes, die Weitergabe von Liebgewonnenem.

Die Autorin berichtet ehrlich und unverstellt von der Begleitung zweier Menschen vor dem Lebensende. Besonders beeindruckend ist der offene Umgang mit dem nahen Tod von Lars, und welchen Frieden er den Beteiligten trotz aller Trauer bringt.

Ich empfehle das Buch mit fünf Pfoten!

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Killer@Romance

thekiller

Yorukumo ist ein junger, gutaussehender, großer Mann. Er wurde als Kind von einem gnadenlosen Verbrecher zu medizinischen Experimenten verkauft, hat diese überlebt und wird nun von ihm als Killer eingesetzt. Er ist ohne Bildung und menschliche Nähe aufgewachsen. Entsprechend gefühlskalt begeht er die Morde.

Kiyoko arbeitet in einem Restaurant. Sie traut sich aber auch in die düstersten Ecken der Gesellschaft und ist sehr beliebt. Sie soll Yorukumo mit essen versorgen und ist von ihm beeindruckt.

So weit, so vorhersehbar scheint mir die Haupthandlung der Mangaserie Yorukumo. Es klingt nach einer Mischung aus „Die Schöne und das Biest“ und „Aschenputtel“.

Der Manga spielt allerdings in einer dystopischen Gesellschaft die durch die Begegnung der beiden jungen Erwachsenen „beginnt… auseinanderbrechen“ (Klappentext Band 1). Hier also kann es spannend werden, denn Kiyoko kann viel über die Abgründe ihrer Welt dazulernen. Und das kalte Biest, das sein Herz entdeckt erweist sich allzuoft (King Kong, Frankensteins Monster) als hochgefährlich.

Fans von Splatter und düsteren Bildern, die eine gute Liebesgeschichte schätzen werden die Serie mögen.

Mir selbst waren die Nebencharacktere zu stereotyp und die Gewalt, mit all ihrer Grausamkeit, zu belanglos. Sie soll eine Aussage zum Zustand der Beschriebenen Gesellschaft und des (Anti)Helden sein. Und sie soll durch düstere Ästhetik beeindrucken. Für mich wirkt sie aufgesetzt und unnötig.

Fiktion über die Gewalttätigkeit der Menschen zu schreiben ist keine einfache Sache. Zum einen, weil in der Realität so ziemlich alles was man sich da ausdenken kann schon so, ähnlich oder schlimmer praktiziert wurde. Zum anderen, weil man allzuleicht ebendiese Gewalttätigkeit durch Ästhetisierung überhöht.

Ein gut gezeichneter, düsterer Manga also, der bei mir weder Herz noch Kopf gewinnen konnte. Für mich ein absoluter Fehlgriff.

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Schwarzweiß

schwarzweiß

Die Welt ist nicht Schwarzweiß . Auch Regina Bogner, Ärztin im Maßregelvollzug hat ihre Geheimnisse und Abgründe. Sie ist eine starke Frau und das reizt ihren neuen Patienten Niklas Rösch sie herauszufordern. Als ihm die Flucht gelingt, bedroht er Regina und ihre Tochter.

Antonia Fennek hat einen spannenden Thriller geschrieben, den man nicht aus der Hand legen will. Ihre Figuren sind glaubwürdig und den Alltag in der Arbeit mit psychisch Kranken Straftätern beschreibt sie überzeugend. Sie selbst hat in der Forensischen Psychiatrie gearbeitet.

Der spannende Thriller ist der Auftakt zu einer Serie.

Eine vierpfotige Leseempfehlung!

4 w pfoten

 

Der Weihnachtsmann empfiehlt

weihnachtsmann

Das Fest kommt näher und näher, die Lieferzeiten werden länger und länger, die Kaufhäuser voller und voller und die Zeit knapper und knapper. Aber es gibt Läden mit großer Auswahl, die noch dazu innerhalb eines Tages jegliche nicht vorrätige Geschenkidee bestellen…die Buchhandlungen!

Und für jeden der gerne liest ist ein Buch ein schönes Geschenk. Übrigens auch für die, die gerade lesen lernen. Und auch für alle,  die Vorlesern lauschen.

Welches Buch geeignet ist, ist nicht immer leicht zu entscheiden. Aber die gute Nachricht ist, dass es nicht nur das eine geeignete Buch gibt.

Für die Sinne und die Besinnlichkeit empfehle ich einen tollen Bildband aus dem Hatje Cantz Verlag: Presence. Christine Turnauer hat in beeindruckenden Schwarz/Weiß Aufnahmen berührende Porträts von Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen fotographiert. Das Verbindende, das durch Vertrauen gewonnen wird und alle Unterschiedlichkeit aufhebt macht die Bilder zu einer philosophischen Erfahrung.

Für Jugendliche empfehle ich den Band 1 der Mangareihe No.6, erschienen bei Egmont Manga (EMA). Eine schön gezeichnete und erzählte Geschichte um einen Jungen der zur Elite seiner Gesellschaft gehört. Eines Nachts hilft er einem Fliehenden. Und aus seinem unbestimmten Gefühl, dass mit dieser Gesellschaft etwas nicht stimmt wird Gewissheit.

Für Erstleser empfehle ich die Reihe Büchersterne aus dem Oetinger Verlag. Zur einfachen Ausahl sind die Bände nach Schulalter gestaffelt. Die Texte sind aus der Kinderliteratur bekannter AutorInnen. Die Texte sind altersgerecht mit großer Schrift und einfachem Satzbau abgedruckt. Von Astrid Lindgren gibt es zum Beispiel Michels Unfug Nummer 325 zu lesen.

Die wortgewandte, atemberaubend gut gezeichnete Graphic Novel Fun Home von Alison Bechdel ist meine besondere Empfehlung. Eine Geschichte über die Dynamik von familiären Strukturen. Gesagtes und Ungesagtes, gelebtes und ungelebtes innerhalb dieser entscheidenden Gemeinschaft prägt tief. Wer über liebenswerte Marotten genauso lesen möchte wie über Schmerzen der Seele, über Gender wie über Liebe, über Moral und Tabu wie über sexuelle Identität, der wird aus diesem Buch eine Menge mitnehmen.

Zwischen Abgrund und Euphorie

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In der Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ schreibt und zeichnet  Ellen Forney über ihr Leben zwischen Abgrund und Euphorie. Meistens sprüht Ellen vor Energie und beginnt mehr Projekte als sie zu Ende bringen kann. Sie schläft wenig, geht Risiken ein, und unternimmt sehr viel. Dann wiederum ist sie so niedergeschlagen und traurig, dass sie kaum aus dem Bett kommt. Kurz vor ihrem dreissigsten Geburtstag beginnt sie daran zu zweifeln, dass es ihr wirklich gut geht. Als ihre Psychiaterin ihr mitteilt, dass sie an einer bipolaren Störung leide sieht Ellen sich gezwungen sich mit dem was sie selbst ausmacht auseinanderzusetzen. Will sie die Diagnose annehmen? Will sie ihre euphorischen Phasen, die künstlerisch so produktiv sind wirklich zügeln? Will sie ihre Gewohnheiten ändern? Gar Psychopharmaka schlucken?

Meine Tassen im Schrank“ beeindruckt durch die offene und humorvolle Weise in der Ellen Forney aus ihrem Leben erzählt. Ihre Darstellungen von den beiden Extremen der Gefühlsskala scheinen mir geeignet selbst dem ausgeglichensten Menschen ein Gefühl für sie zu geben.

Was Ellen Forney über sich und über andere Künstler schreibt die an bipolarer oder unipolarer Depression litten, ergibt einen wichtigen Einblick, nicht nur in die Frage in welcher Verbindung Genie und Wahnsinn stehen. Sondern auch in die Lebensgefahr die von diesen Krankheiten ausgeht.

Eine fünfpfotige Leseempfehlung für diese herausragende Graphic Novel!

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Maris Tagebuch – von Schlaubergern umzingelt

mariMari ist ein tolles Mädchen. Sie hat was im Kopf, ist kreativ und ein echter Kumpel.

Ihr Leben ist ziemlich chaotisch. Ihr Vater schreibt schnulzige Bestseller, ihre Schwester ist eine berühme Violinistin. Und nun verreist auch noch ihre Mutter für 6 Monate um die Welt zu retten.

Zum Glück hat sie eine Freundin die überall den Durchblick hat: Spicka, die beste Abschreiberin der Schule! Und eine Freundin auf die man sich trotz ihrer düsteren Bewusstheit des globalen Elends verlassen kann…oder? Vielleicht ist Elsa auch zu den Superschlauen Mitschülern aus der E-Klasse übergelaufen.

Wie auch immer, Mari und ihre Freundinnen lavieren sich durch Berge von Hausaufgaben, Dumme Bemerkungen und: die Klassenfahrt des Grauens.

Bin ich blöd oder was?!“ ist ein ganz toller Comicroman in Tagebuchform. Mari ist eine Heldin von der man bisher noch nicht gelesen hat. Sie glänzt von innen und kümmert sich nicht um Äußerlichkeiten.

Olivia Viewegs Zeichnungen sind erstklassig: Ausdrucksstark, humorvoll und unkonventionell. Wie Mari.

Maris Tagebuch ist Gregs Tagebuch absolut ebenbürtig und für alle Jugendlichen zu empfehlen, die mal wieder so richtig über die Schule lachen wollen. Und ganz nebenbei Inspiration fürs Zeichnen sammeln wollen.

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Von der Grausamkeit

mobbing

Antoinette kehrt zurück in den Ort ihrer Kindheit. Sie lebt in den USA, nicht zufällig weit von diesem Ort entfernt. Normalerweise verleugnet sie ihre Vergangenheit einfach. Doch sie wird noch immer von ihr verfolgt.

Und eines Tages erkennt sie, dass sie ihr jüngeres Selbst aus diesem Ort befreien muss. Und sie kehrt noch einmal zurück.

Zurück zu denen, die sie damals als Schülerin so grausam verfolgt haben. Sie ausgeschlossen haben, gedemütigt, verfolgt. Zurück zu den inzwischen saturierten Erwachsenen deren Taten sie noch immer verfolgen.

Olivia Vieweg findet kraftvolle Bilder für die grausamen Taten der Jugendlichen, für die wegsehenden Erwachsenen und für die grausame Wirkung des Mobbings, welches die Opfer oft eine lange Zeit ihres Lebens nicht loslässt.

Es hat wohl jeder schon einmal Erfahrung mit Mobbing gemacht. Ob im Kindergarten, in der Schule oder im Beruf. Immer wieder wird Mobbing geduldet oder sogar gefördert. Dabei wäre es so wichtig hier Präventions- und Aufklärungsarbeit zu leisten. Dieses Buch leistet das ganz ohne Pädagogik oder Erklärungen – es zieht den Leser in die Vergangenheit von Antoinette hinein und vermittelt die Erfahrung von Mobbing so direkt wie nur möglich.

Eine fünfpfotige Leseempfehlung für diese wunderschöne, hochkünstlerisch, humorvoll und einfallsreich gezeichnete Graphic Novel zu einem sehr wichtigen Thema!

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