Der gute Mensch von Sezuan

Bertold Brecht: Der gute Mensch von Sezuan
Die Götter betrachten das Treiben und Leiden der Menschheit schon einige Zeit mit Sorge. Selbstzweifel über ihre Schöpfung treiben sie schließlich dazu, sich selbst auf die Erde zu begeben, um nach einem Menschen zu suchen, der nach Ihren Geboten leben und damit ein guter Mensch sein kann. Die Götter sind schon weit gereist, sie sind müde, traurig und erschöpft als sie endlich in der kleinen Stadt Sezuan ankommen. Niemand hat ihnen bisher Unterkunft gewährt, niemand sich als wirklich guter Mensch erwiesen. Sezuan, beschließen sie ist der letzte Ort in dem sie suchen wollen bevor sie sich das Scheitern ihrer Schöpfung eingestehen. Über den Wasserverkäufer der Stadt gelangen sie zu der Prostituierten Shen-Te. Diese gewährt Ihnen sofort ohne Ansehen ihres eigenen Vorteils Unterschlupf. Da sie in dieser Nacht nicht arbeiten kann, wird sie ihre Miete nicht mehr bezahlen Können. Die Götter erfahren von der mißlichen Lage, und beschließen ihrem ‚guten Menschen‘ ein wahrhaft moralisches Leben durch eine kleine Geldsumme zu ermöglichen. Shen Te eröffnet einen kleinen Tabackladen. Sie ist jedoch so hilfsbereit und gutmütig, daß sie in den Abgrund zurückgerissen zu werden droht. 
„Der Rettung kleiner Nachen 
Wird sofort in die Tiefe gezogen: 
Zu viele Versinkende 
Greifen gierig nach ihm.“ 
In ihrern Not verwandelt sich Shen Te in ihren Vetter Shui Ta. Als Shui Ta gelingt es ihr die eigene Existenz zu retten und ihre Wohltätigkeit als Shen Te aufzufangen. Als Shen Te sich jedoch verliebt und von einem egoistischen arbeitslosen Flieger geschwängert wird muß sie sich mehr und mehr in Shui Ta verwandeln. Der Vetter eröffnet eine Tabak-Fabrik und wird zum menschenverachtenden Ausbeuter. Der ehemalige Liebhaber Shen Tes wirft Shui ta nun vor diese ermordet zu haben und bringt ihn vor Gericht. Shen Te offenbart sich und die Götter kommen zu ihr hinab 
„Euer einstiger Befehl 
Gut zu sein und doch zu leben 
Zerriß mich wie ein Blitz in zwei Hälften. Ich 
Weiß nicht, wie es kam: gut sein zu andern 
Und zu mir konnte ich nicht zugleich 
Andern und mir zu helfen, war mir zu schwer.“ 
Brecht versteht es meisterhaft humorvoll und überspitzt darzustellen, was Adorno folgendermaßen formulierte: 
„Alle Einzelnen sind in der vergesellschafteten Gesellschaft des Moralischen unfähig, das gesellschaftlich gefordert ist,wirklich jedoch nur in einer befreiten Gesellschaft wäre.(… )Dem Einzelnen indessen bleibt an moralischem nicht mehr übrig, als [zu] versuchen, so zu leben, daß man glauben darf, ein gutes Tier gewesen zu sein.“ 
Das nach meinem Geschmack unterhaltsamste und treffendste Stück Brechts! Lesen lohnt sich! Fünf Pfoten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.