Kategorie-Archiv: Comic

Dystopie

no6

Der Junge Shion wohnt in einem schönen Haus in einer schönen Stadt. Er ist Eliteschüler an seiner Schule. Alles läuft rund in seinem Leben in No.6. Bis eines Nachts ein anderer Junge in sein Zimmer kommt. Er ist verletzt und auf der Flucht vor der Polizei. Shion versorgt Nezumi und lässt ihn bei sich schlafen. Am nächsten Morgen ist er fort, doch Shions Tat ist nicht unentdeckt geblieben. Er wird aus der Elite von No.6 verstoßen.

Trotzdem bereut Shion seine Tat nicht. Er beginnt am System von No.6 zu zweifeln. Das ein Kind vor der Polizei fliehen musste ist ihm suspekt.

Jahre später arbeitet Shion in einem Park. Doch plötzlich wird dort eine Leiche entdeckt, die innerhalb kürzester Zeit verwest. Wespen die aus dem Opfer schlüpfen scheinen die geheimnisvolle Krankheit zu verursachen. Shions gerät unter Verdacht und muss fliehen…

Die Mangaserie No.6 basiert auf Büchern der japanischen Schriftstellerin Atsuko Asano. Hinoki Kino hat ihre Geschichte mit ästhetischen Bildern und cool gezeichneten Charakteren bebildert.

Der Manga ist gut zu lesen, leichte bis kritische Kost. Der erste Band ist sehr schnell ausgelesen, doch Band 2 und 3 sind auch schon erschienen. Eine dreipfotige Leseempfehlung!

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Zeugnis der Vernichtung

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Zeugnisse von Überlebenden sind unendlich wichtig. Sie vermögen uns zu vermitteln was geschehen ist. Mit Ihnen können wir ein Stück weit selbst erfahren was ihnen widerfuhr. Erfahren ist etwas anderes als verstehen. Manchmal ist es das Gegenteil.

Im zweiten Weltkrieg sollten ganze Bevölkerungen für den Krieg mobil machen. Nationalistische und rassistische Propaganda wurden genutzt um andere als Untermenschen zu brandmarken und Gräueltaten zu rechtfertigen. Japan hat in diesem Krieg weite Teile Asiens besetzt. Millionen Menschen wurden vom japanischen Militär getötet, gefoltert oder zu Zwangsarbeit missbraucht.

Am sechsten und neunten August wurden  Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, zwei japanische Städte mit über 200.000 Einwohnern abgeworfen.

Keiji Nakazawa beschreibt in Barfuss durch Hiroshima, Kinder des Krieges das Leben seiner Familie am Vorabend dieser Katastrophe. Er zeigt wie stark die Bevölkerung zu Kriegszwecken ausgebeutet, indoktriniert und eingeschüchtert wurde. Die Familie leidet zunehmend unter Schikanen durch Nachbarn und die Polizei da der Vater ein Kriegsgegner ist.

Als die Bombe abgeworfen wird steht der Schuljunge plötzlich nicht mehr vor seiner Schule, sondern inmitten von toten und sterbenden Menschen in einer zerstörten Stadt.

Barfuss durch Hiroshima ist ein gut zugänglicher, einfach gezeichneter Manga. Er ist ein Zeugnis und zugleich ein Versuch, die Leser aufzuklären und sie gegen Propaganda und Ideologie des Krieges misstrauisch zu machen.

Ein Klassiker der zugänglich macht, welches Grauen der Einsatz von Atomwaffen bedeutet.

Eine fünfpfotige Leseempfehlung!5 pfoten copy

 

Zwischen Abgrund und Euphorie

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In der Graphic Novel „Meine Tassen im Schrank“ schreibt und zeichnet  Ellen Forney über ihr Leben zwischen Abgrund und Euphorie. Meistens sprüht Ellen vor Energie und beginnt mehr Projekte als sie zu Ende bringen kann. Sie schläft wenig, geht Risiken ein, und unternimmt sehr viel. Dann wiederum ist sie so niedergeschlagen und traurig, dass sie kaum aus dem Bett kommt. Kurz vor ihrem dreissigsten Geburtstag beginnt sie daran zu zweifeln, dass es ihr wirklich gut geht. Als ihre Psychiaterin ihr mitteilt, dass sie an einer bipolaren Störung leide sieht Ellen sich gezwungen sich mit dem was sie selbst ausmacht auseinanderzusetzen. Will sie die Diagnose annehmen? Will sie ihre euphorischen Phasen, die künstlerisch so produktiv sind wirklich zügeln? Will sie ihre Gewohnheiten ändern? Gar Psychopharmaka schlucken?

Meine Tassen im Schrank“ beeindruckt durch die offene und humorvolle Weise in der Ellen Forney aus ihrem Leben erzählt. Ihre Darstellungen von den beiden Extremen der Gefühlsskala scheinen mir geeignet selbst dem ausgeglichensten Menschen ein Gefühl für sie zu geben.

Was Ellen Forney über sich und über andere Künstler schreibt die an bipolarer oder unipolarer Depression litten, ergibt einen wichtigen Einblick, nicht nur in die Frage in welcher Verbindung Genie und Wahnsinn stehen. Sondern auch in die Lebensgefahr die von diesen Krankheiten ausgeht.

Eine fünfpfotige Leseempfehlung für diese herausragende Graphic Novel!

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Maris Tagebuch – von Schlaubergern umzingelt

mariMari ist ein tolles Mädchen. Sie hat was im Kopf, ist kreativ und ein echter Kumpel.

Ihr Leben ist ziemlich chaotisch. Ihr Vater schreibt schnulzige Bestseller, ihre Schwester ist eine berühme Violinistin. Und nun verreist auch noch ihre Mutter für 6 Monate um die Welt zu retten.

Zum Glück hat sie eine Freundin die überall den Durchblick hat: Spicka, die beste Abschreiberin der Schule! Und eine Freundin auf die man sich trotz ihrer düsteren Bewusstheit des globalen Elends verlassen kann…oder? Vielleicht ist Elsa auch zu den Superschlauen Mitschülern aus der E-Klasse übergelaufen.

Wie auch immer, Mari und ihre Freundinnen lavieren sich durch Berge von Hausaufgaben, Dumme Bemerkungen und: die Klassenfahrt des Grauens.

Bin ich blöd oder was?!“ ist ein ganz toller Comicroman in Tagebuchform. Mari ist eine Heldin von der man bisher noch nicht gelesen hat. Sie glänzt von innen und kümmert sich nicht um Äußerlichkeiten.

Olivia Viewegs Zeichnungen sind erstklassig: Ausdrucksstark, humorvoll und unkonventionell. Wie Mari.

Maris Tagebuch ist Gregs Tagebuch absolut ebenbürtig und für alle Jugendlichen zu empfehlen, die mal wieder so richtig über die Schule lachen wollen. Und ganz nebenbei Inspiration fürs Zeichnen sammeln wollen.

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Ich:unbekannt

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In der Graphic Novel Wie ein leeres Blatt sitzt eine junge Frau auf einer Bank – und bemerkt plötzlich, dass sie nicht mehr weiß wer sie ist. In der Welt findet Eloise sich zurecht: sie weiß wie man die Métro benutzt, wie ein Handy bedient wird, kann sich an Bücher und Filme erinnern. Aber alles das ihre Persönlichkeit, ihre Lebensgeschichte, ihre Freunde und ihre Familie betrifft ist weg.

Eloise wagt sich also in ein Leben voller Unbekanntem. Immer wieder, wenn sie vor der fremden (eigenen) Wohnung steht oder zum fremden (eigenen) Arbeitsplatz fährt, macht sie einen mutigen Sprung ins kalte Wasser. Nicht ohne vorher in rasend schnellen Gedankenspielen überlegt zu haben, was sie alles erwarten könnte.

Was wäre wenn ich von mir nichts wüsste und meinem Leben, meiner Wohnung und meinen Freunden begegnen würde? Wie würde ich bewerten was ich sehe?Und wenn ich alles vergessen hätte, wie Eloise, was aus meinem Leben würde ich wiederentdecken wollen? Und was würde ich lieber verändern?

Die schön gezeichnete Graphic Novel spielt mit dem Thema Identität. Sie ist bis zur letzten Seite spannend und immer wieder sehr humorvoll.

Enttäuscht hat mich die kurze Episode in der Eloise ihrer Persönlichkeit in einer Gruppentherapie auf die Spur kommen will. Sie strotzt nur so vor Distanzierung vor den klischeehaft gezeichneten „Irren“.

Ich empfehle “ Wie ein leeres Blatt “  mit vier Pfoten!

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